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Dezember 2002

European Youth Online Magazine

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Das Europäische
Jugendmagazin
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Die Ausbildung geschafft, aber dann...


Ich wollt eigentlich immer schon KFZ- Mechaniker werden, jedenfalls konnte ich mir einen anderen Beruf nicht wirklich für mich vorstellen. Nach der Schule habe ich mich dann überall beworben, um eine Ausbildungsstelle zu bekommen. Das war gar nicht so einfach, aber endlich, nach vielen, vielen Bewerbungen, habe ich bei einem großen Autohaus in Dortmund eine Lehrstelle bekommen. Die Ausbildung war ganz gut. Ich hatte nette Kollegen und der Meister war auch ganz in Ordnung. Manchmal konnte auch ganz schön stressig werden wenn man zum Beispiel für bestimmte Aufgaben, z.B. Auspuff erneuern oder so, mehr als die vorgesehene Zeiteinheit brauchte. Deswegen wird da ja auch meistens alt gegen neu ausgetauscht. Wenn man ein kaputtes Teil ausgebaut, repariert und dann wieder eingebaut würde das zuviel Arbeitszeit kosten. In der Zeit könnte man ja noch drei andere Autos reparieren. Da musste man schon immer gegen die Uhr arbeiten, sonst gab's Ärger.

Arbeitslos mit warmen Wünschen


Nach drei Jahren war ich mit der Ausbildung fertig, und die Prüfung war bestanden. Jetzt bekam ich noch einen befristeten Vertrag Jahr als Geselle, um Berufserfahrung zu sammeln. Nach einem Jahr lief mein Vertrag aus und wurde nicht erneuert, da man annahm, daß ich sowieso zum Bund müsse. Mußte ich aber gar nicht, also war ich plötzlich arbeitslos und ein Jahr lang bekam ich eine Bewerbung nach der anderen zurück, mit einer höflichen Ablehnung und warmen Wünschen für mein weiteres Berufsleben. Super!

"Jugend in Arbeit" hilft

Von einem Freund hörte ich dann von einem Programm, das arbeitslosen Jugendlichen Jobs besorgt und ihnen bei der Suche nach Arbeit und bei Bewerbungen hilft. "Jugend in Arbeit" heißt das Programm. Dort wird man beraten, was man selbst und in Zusammenarbeit mit einem Berater tun könnte, um einen Job zu bekommen. Das wird dann fest in einem Entwicklungsplan vereinbart, den man natürlich einhalten muß. Dass man auch alles macht, was man vereinbart hat, dafür sorgt dann der Berater
Also machte ich mich auf zum EWZ in Dortmund, da wo auch mein Kollege gewesen ist, und fragte nach, ob ich auch in diesem Programm mitmachen könnte.

Erst mal Warteliste

"Leider Nein" lautete die Antwort, "Sie haben noch nicht die erforderliche Zeit der Arbeitslosigkeit von einem Jahr erreicht." Das war erst mal bitter, aber die Beraterin versprach mir, sich beim Arbeitsamt zu erkundigen, ob und wann ich in dieses Programm aufgenommen werden könne, und mich sofort anzurufen, wenn das O.K. vom Arbeitsamt da wäre.
Eigentlich glaubte ich nicht so daran, ich hoffte es mehr, aber es gilt: "Versuch macht klug!" Es fehlten ja nur drei Monate, und bis zum Januar konnte ich ja noch weiter im Selbstversuch einen Job suchen.
Ende Januar 2001 war es dann soweit. Ich wurde angeschrieben und zu einem Aufnahmegespräch eingeladen und ich musste mich bereit erklären, meine Bewerbungsunterlagen zusammenzustellen und mich in Betrieben, die meine Beraterin mir vorschlug, vorzustellen. Wenn sie einen möglichen Arbeitsplatz gefunden hätte, sollte ich erst einmal ein Praktikum machen, d.h. ich mußte in dem Betrieb ohne Lohn erst mal vier Wochen arbeiten, allerdings bekäme ich mein Arbeitslosengeld weiter. Ich fand das in Ordnung so, besser als noch weiter Nichts tun. Außerdem würde es mir und dem Arbeitgeber die Möglichkeit bieten, zu gucken, ob wir überhaupt zusammenpassen, ob die Chemie stimmt.

Ein Praktikum zum Ausprobieren

Zum Glück hatte ich ja auch meine Bewerbungsunterlagen schon komplett, ein bißchen musste ich allerdings noch etwas daran herumfeilen, und am Ende sah sie dann auch schon viel professioneller aus. Dann ging es relativ schnell, meine Beraterin hatte bei einem Autohändler, der auch eine Werkstatt dabei hatte, einen mögliche Arbeitgeber gefunden und ich konnte sofort mit dem Praktikum beginnen. Zum Vorstellungsgespräch ist sie auch mitgegangen, das fand ich ganz angenehm, ich war schließlich nicht gerade in Übung, was Vorstellungsgespräche betrifft.

Schon wieder ein Flop

Ich sollte also montags anfangen. Das tat ich auch und war bester Dinge, allerdings nicht lange, die Kollegen und der Meister waren absolut in Ordnung, aber der Chef schien es sich übers Wochenende wohl doch anders überlegt zu haben. Jedenfalls war dieses Praktikum schon von Anfang an ein Flop. Nach vier Stunden rief der Chef meine Beraterin an und teilte ihr mit, ich brauche nicht mehr zu kommen, ich würde so ziemlich alles falsch machen. Zu mir hat er allerdings nichts gesagt, ich wußte gar nicht was ich falsch gemacht haben sollte.
Die Gründe, die er meiner Beraterin genannt hatte, waren wohl auch für sie nicht wirklich überzeugend, so daß sie mir dann auch geraten hat, es woanders erneut zu versuchen.
Erst mal war das für mich eine Katastrophe und ich war sehr enttäuscht, denn eigentlich hatte ich gehofft, daß die Jobsuche endlich ein Ende hätte. Schließlich lagen und liegen die Jobs im Kfz-Bereich ja nicht auf der Strasse.

Endlich ein Glücksgriff!!

Der zweite Versuch war und ist ein echter Glücksgriff. Kein Autohaus, sondern eine freie Tankstelle mit Kfz-Werkstatt und Autowaschanlage in Brünninghausen. Der Chef, Herr Bommer ist Kfz-Meister. Er suchte jemanden, den er in der Werkstatt und auch für die Tankstelle gebrauchen konnte. Durch das Programm bekommt er einen Zuschuss, und die Tatsache, dass die Handwerkskammer das unterstützt und sich um Vertrag und Lohnkostenzuschuss kümmern würde, hat ihn schnell überzeugt und ich konnte anfangen. Wir verstanden uns auf Anhieb und ich habe dieses eine Jahr, in dem mein Lohn bezuschusst wurde genutzt, um endlich Berufserfahrung zu sammeln, und außerdem zu lernen, wie man eine Tankstelle führt. Herr Bommer schickte mich zur Kassenschulung, damit es bei der Euroumstellung keine Probleme gab, und gab mir durch seine Art, mir Aufgaben selbstverantwortlich zu überlassen, eine Menge Selbstvertrauen. Immerhin bin ich jetzt, ein halbes Jahr nach Ablauf der Lohnkostenförderung immer noch fest angestellt und da die Autos Gott sei Dank immer noch mit Benzin fahren und hin und wieder auch kaputt gehen, werde ich das wohl auch bleiben. Mein Chef kann jetzt beruhigt in Urlaub fahren, ich schmeiße den Laden inzwischen.

Ohne "Jugend in Arbeit" hätte ich es vielleicht nie geschafft


 

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