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Rubbellos-Euphorie in Bulgarien

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Wenn es um Rubbellose geht, herrscht in Bulgarien etwas, was einem Wahn ähnelt. Diese Erscheinung ist so tief und fest verwurzelt, dass manche Experten wegen der Gefahr vor Sucht alarmieren. Es gibt unzählige Fälle und Beispiele, die von den verschiedensten Profilen handeln.

Mit 96 Jahren ist es nicht zu spät, beim Rubbeln zu gewinnen.

Einer von diesen interessanten Beispielen ist der 96-jährige Stoyan Stoimenov, der aus einem kleinen Dorf namens Tsurkva in der Nähe von Sofia. Mit einer Münze bereitstehend versuchte er sein Glück auf einem weiteren Rubbellos. Er war sich fast sicher, dass er wieder einmal gewinnen wird.

Er ist nur einer von Tausenden, die während der letzten Jahre in den ärmeren Ländern wie Bulgarien von der Sucht nach Rubbellosen befallen wurden. Einige machen sich über die Gefahren einer weit verbreiteten Sucht Gedanken und Sorgen.

Im Februar hat Stoimenov 5.000 Leva gewonnen – annähernd 2600 Euro, also 25 Mal mehr als bei seiner monatlichen Rente. Er verteilte diesen Preis an seine Kinder, Enkel und Urenkel. Zu seinem 96. Geburtstag kauften sie ihm als Dankeschön noch mehr Rubbellose.

Auch Kinder dürfen rubbeln?

Als Problem erwies sich auch die Tatsache, dass sogar Kindern ohne Altersbeschränkung erlaubt wurde teilzunehmen. Das Gesetz konnte offensichtlich dem Wahn nicht standhalten.

Manche der Kinder behaupteten, dass sie nur ab und zu rubbelten, während andere in ihrem Alter nichts anderes taten, als zu rubbeln. Einer Statistik zufolge kaufen ungefähr 10 Prozent der Schüler täglich Rubbellose und sogar 11 Prozent einmal wöchentlich.

Der Wahn wird alarmierend

Nach Einschätzungen wurden 2017 in einem Land, das weniger als 7 Millionen Menschen hat, 100 Millionen Rubbellose verkauft.

Einer im April durchgeführten Gallup-Umfrage zufolge, nahmen sogar 57 Prozent der Bulgaren an irgendeiner Form von Glücksspielen teil. Laut Experten ist das Land als die zweitgrößte Glücksspielindustrie in der EU hinter Malta anzusehen. Bulgarien ist außerdem der einzige EU-Mitgliedstaat, in dem Lotteriegesellschaften nicht vom Gesetz verpflichtet werden, einen bestimmten Teil ihrer Preise zu guten Zwecken zu spenden.

Politiker wollen das Phänomen eindämmen

Der stellvertretende Vorsitzende der regierenden GERB-Partei, warnt vor einer Epidemie unter Menschen verschiedenen Alters und Sozialstatus. Die Lücken im derzeitigen Gesetz werden durch die Regeln für Glücksspielwerbung veranschaulicht.

Werbungen für Lotterien und Rubbellose sind im Prinzip verboten, doch die Sendeanstalten dürfen Interviews mit Gewinnern durchführen und senden, die von ihren Preisen von bis zu 200.000 Leva sprechen und noch ergänzen, wie sie tagtäglich ein Ticket kaufen.

Die Verbreitung von Rubbellosen in Cafés, Lebensmittelgeschäften und Zeitungsläden hat den stellvertretenden Ministerpräsidenten Simeonov dazu veranlasst, auszusprechen, dass heutzutage Kirchen wahrscheinlich der einzige Ort sind, wo man die Lose nicht finden kann.

Anfang dieses Jahres schlug er bezüglich der Glücksspiele Änderungen des Gesetzes vor. Jetzt wartet sein Vorschlag auf die Zustimmung des Parlaments. Dank dieser Gesetzesänderungen würden ein Verbot der Bekanntgabe von Lotterieziehungen, Preisen oder Gewinnern im Fernsehen einführt, der Verkauf von Rubbellosen an Minderjährige verboten und der Verkauf an spezielle Kioske beschränkt werden.

Andere Verbände

Der KRIB, Bulgariens Arbeitgeberverband, hat eine mildere Version der Änderungen vorgeschlagen, denn sie würde die Fernsehsender nur dazu zwingen, Warnungen über das Suchtrisiko öffentlich zu machen. Es fürchtet, dass die Änderungen Simeonovs schwerwiegende Konsequenzen haben werden.

Der bulgarische Fußballverband hat auch seine entschiedene Opposition zum Ausdruck gebracht und zwar dass Klubs einen Großteil ihrer Sponsorengelder von Online-Wettplattformen erhalten. Der bulgarische Fußballspieler und großer Stoichkov, der selbst in Werbespots für Glücksspielplattformen auftrat, war ein Verfechter dieser Branche.

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